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Wenn du nicht mehr kannst und trotzdem weitermachst


Was Burnout und Mobbing wirklich mit uns machen und warum die Gesellschaft lieber wegschaut

Ich war lange Ingenieur. Ich kenne Systeme. Wie sie funktionieren, wo sie unter Druck geraten, wann sie versagen. Und ich habe gelernt: Was für Maschinen gilt, gilt auch für Menschen. Nur dass ein Mensch viel länger durchhält, bevor er zusammenbricht. Und dass der Bruch dann tiefer ist. 

In meiner Arbeit als Coach begegnen mir Menschen, die auf dem Papier alles im Griff haben. Einen Job, ein Einkommen, einen Alltag. Und innerlich sind sie längst leer. Nicht weil sie schwach sind. Sondern weil sie zu lange in einem System funktioniert haben, das nicht für sie gemacht war. 

Burnout. Mobbing. Zwei Worte, die in unserer Gesellschaft inzwischen jeder kennt und über die trotzdem kaum jemand wirklich spricht. Nicht ehrlich. Nicht ohne das leise Urteil dahinter.

Du bist nicht kaputt. Du hast zu lange in einem System funktioniert, das dich nicht sieht.


Was Burnout wirklich ist und was nicht

Burnout ist kein Modewort. Es ist auch keine Schwäche. Und es ist kein Zustand, der über Nacht entsteht. Burnout ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem ein Mensch mehr gibt als er zurückbekommt. Mehr Energie, mehr Verantwortung, mehr Anpassung, mehr Schweigen.

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Burnout seit 2019 als berufliches Phänomen, das durch chronischen Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich verarbeitet wird. Es geht um Erschöpfung, um zunehmende gedankliche Distanz zur eigenen Arbeit und um das Gefühl, nicht mehr wirksam zu sein. Das sind keine Befindlichkeiten. Das sind messbare, beschreibbare Zustände. 

Was ich in meiner Arbeit beobachte: Die meisten Menschen mit Burnout haben über Jahre hinweg Warnsignale überhört. Nicht weil sie blind waren. Sondern weil die Umgebung ihnen immer wieder sagte: Reiß dich zusammen. Das geht allen so. Du schaffst das. 

Und sie haben es geglaubt. Bis sie es nicht mehr konnten.

 

Die Phasen, die kaum jemand benennt

Burnout entwickelt sich in Stufen. Zunächst ein übersteigerter Ehrgeiz, ein Gefühl, alles geben zu müssen. Dann die ersten Kompromisse: weniger Schlaf, weniger Erholung, weniger Zeit für das, was Freude macht. Dann die Abstumpfung. Man funktioniert, aber man fühlt nicht mehr. Man ist da, aber nicht wirklich anwesend. Und irgendwann kommt der Moment, in dem selbst das Funktionieren nicht mehr geht. 

Was mich in meiner Coaching-Praxis immer wieder bewegt: Menschen erkennen sich in diesen Phasen erst im Nachhinein. Während sie drin sind, haben sie keine Sprache dafür. Sie nennen es Stress. Sie nennen es eine schwierige Phase. Sie nennen es alles, nur nicht das, was es ist.


Mobbing: das Unsichtbare, das Spuren hinterlässt

Mobbing ist schwerer zu fassen als Burnout. Es passiert oft so, dass du nicht sicher bist, ob es wirklich passiert. Der Kollege, der deine Ideen in Meetings ignoriert, bis jemand anders dasselbe sagt und Applaus bekommt. Die Führungskraft, die immer dann nicht erreichbar ist, wenn du Unterstützung brauchst, aber genau dann auftaucht, wenn sie Fehler dokumentieren kann. Das kleine Lachen. Die ausgelassene E-Mail. Der Blick, der durch dich hindurchgeht. 

Mobbing ist selten laut. Es ist meistens leise, systematisch und darauf ausgelegt, dir das Gefühl zu geben, dass du das Problem bist.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beschreibt Mobbing als wiederholte, gezielte Handlungen, die darauf abzielen, eine Person sozial zu isolieren, zu schikanieren oder aus einer Gruppe auszugrenzen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen einem und drei Millionen Menschen jährlich von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen. Das ist keine Randerscheinung. Das ist ein systemisches Phänomen.

Mobbing macht nicht nur krank. Es lässt dich an dir selbst zweifeln. Und das ist die eigentliche Verletzung.

 

Was es mit einem Menschen macht

Ich habe mit Menschen gesessen, die nach Jahren in einem Mobbingumfeld nicht mehr wussten, wer sie sind. Sie hatten ihre eigene Wahrnehmung so oft in Frage gestellt, dass sie ihr nicht mehr trauten. Sie hatten sich so oft angepasst, entschuldigt, klein gemacht, dass sie vergessen hatten, wie es sich anfühlt, einfach da zu sein.

Das ist der tiefste Schaden. Nicht das, was andere getan haben. Sondern das, was du mit dir selbst gemacht hast, um in dem System zu überleben.


Warum unsere Gesellschaft wegschaut

Wir leben in einer Gesellschaft, die Leistung feiert und Erschöpfung beschämt. In der "Ich schaffe das nicht mehr" als Versagen gilt und nicht als wichtige Information. In der Unternehmen Burnout-Präventionsprogramme anbieten, aber die Strukturen, die Burnout erzeugen, unangetastet lassen. 

Wir haben verinnerlicht: Wer erschöpft ist, hat nicht gut genug auf sich geachtet. Wer gemobbt wird, hat irgendetwas falsch gemacht. Wer nicht mehr kann, soll sich Hilfe holen, aber bitte schnell und geräuschlos, damit der Betrieb weiterläuft.

Das ist keine Übertreibung. Das ist der Alltag vieler Menschen, die ich begleite. Und es macht mich als Coach und als Mensch betroffen, weil ich sehe, wie viel Kraft das kostet. Nicht das Problem selbst. Sondern die Scham, das Problem zu haben.

 

Das Schweigen als Mittel der Kontrolle

Mobbing funktioniert in Organisationen oft deshalb so gut, weil Schweigen das System schützt. Wer spricht, riskiert seinen Ruf. Wer klagt, wird als problematisch wahrgenommen. Wer geht, ist weg und wird ersetzt. Das System bleibt, wie es ist.

Ich sage das nicht, um Hoffnungslosigkeit zu erzeugen. Ich sage es, weil ich glaube, dass echte Veränderung nur dann beginnt, wenn wir die Dinge beim Namen nennen. Nicht anklagen. Nicht verurteilen. Aber klar benennen, was ist.


Was in einem Coaching-Prozess möglich wird

Wenn ein Mensch zu mir kommt, der Burnout erlebt hat oder in einem Mobbingumfeld war, ist meine erste Aufgabe nicht, ihn zu stärken. Meine erste Aufgabe ist, ihm zu glauben. Und ihm dabei zu helfen, sich selbst wieder zu glauben.

Das klingt einfach. Es ist es nicht. Wer über Monate oder Jahre systematisch an seiner Wahrnehmung gezweifelt hat, braucht Zeit, um ihr wieder zu vertrauen. Wer gelernt hat, Erschöpfung zu ignorieren, muss erst wieder lernen, auf seinen Körper zu hören.

In meiner Arbeit als Impuls-Coach und in der Arbeit mit dem morphischen Feld und der Akasha-Chronik geht es darum, Muster sichtbar zu machen. Nicht um Vergangenheit aufzuwühlen, sondern um zu verstehen, wo du heute stehst und was dich dort hält. Oft sind es Überzeugungen, die du nicht selbst gewählt hast. Glaubenssätze aus deiner Familie, aus Erfahrungen, die lange zurückliegen. Ich funktioniere nur, wenn ich leiste. Ich bin wertvoll, wenn ich gebraucht werde. Ich darf keine Schwäche zeigen. 

Diese Überzeugungen haben dir einmal gedient. An irgendeinem Punkt in deinem Leben war es klug, nach ihnen zu leben. Aber sie sind nicht mehr aktuell. Und sie kosten dich heute mehr als sie geben.

Was dich schützt hat, muss dich nicht für immer begrenzen.


Was du tun kannst, wenn du dich wiedererkennst 

Zunächst eines: Du brauchst keine Diagnose, um dir Unterstützung zu holen. Du brauchst nicht an einem bestimmten Punkt angekommen sein. Es reicht, wenn du spürst, dass etwas nicht stimmt. 

Wenn du gerade in einer Situation bist, in der du Mobbing erlebst, dann halte schriftlich fest, was passiert. Datum, Situation, Beteiligte. Nicht aus einem Reflex zur Anklage, sondern damit du deine eigene Wahrnehmung stützt. Denn Mobbing untergräbt als erstes das Vertrauen in das, was du selbst erlebst.

Suche dir Gesprächspartner, denen du vertraust. Nicht um zu klagen, sondern um dich zu erden. Manchmal reicht es, die Dinge einmal laut auszusprechen, um zu merken, dass sie real sind.

Und wenn du das Gefühl hast, du kommst alleine nicht weiter, dann ist das kein Versagen. Das ist ein klares Signal, dass du jetzt Begleitung brauchst. Begleitung, die nicht bewertet. Die zuhört. Die dir hilft, wieder klar zu sehen.


Ein Wort zum Schluss 

Ich habe nicht die Illusion, dass ein Coaching-Gespräch gesellschaftliche Strukturen verändert. Das tue ich nicht. Was ich tue: Ich begleite einzelne Menschen dabei, sich aus dem zu lösen, was sie festhält. Und ich glaube, dass das eine Form der Veränderung ist, die zählt.

Wenn du wieder weißt, wer du bist, dann triffst du andere Entscheidungen. Du lässt anderes zu und anderes nicht mehr. Du wirst in deinem Umfeld ein anderes Gewicht haben. Nicht weil du dich verändert hast, sondern weil du wieder du bist.

Das ist, was ich mir für dich wünsche.


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